WordPress + Companion-App-Entwicklung

WordPress ist ein etabliertes CMS, das mittels Plugins beliebig erweitert und angepasst werden kann.

Das ist bekannt.

Nicht so bekannt ist, dass offizielle WordPress-Apps zur Verfügung stehen, mit denen die Website ohne Browser, von beliebigen Endgeräten aus, verwaltet werden kann.

Als kundenspezifische, modulare und nicht zuletzt datenschutzfreundliche Alternative wäre es möglich, eine Companion-App („Begleit-App“) zu entwickeln. Damit ist eine Individualsoftware gemeint, die spezielle Funktionen abdeckt, die im CMS oder in den offiziellen Apps gar nicht oder nur über Umwege bereitgestellt werden. Ein klassischer Anwendungsfall wäre die übersichtliche Ausgabe von ausgewählten Echtzeit-Daten in einem Dashboard – losgelöst von der Website – für verschiedene Endgeräte:

  • Content-Moderatoren können sich alle noch nicht freigegebenen Kommentare anzeigen lassen
  • Das Support-Team erhält Zugriff auf den Posteingang aller Form-Submissions
  • Produkt-Manager behalten neue Userregistrierungen im Blick
  • Das Sales-Team kann aktuelle Webshop-Bestellungen einsehen
  • Das Management erhält als „Big Picture“ eine ansprechende Übersicht von Echtzeit-Daten, die in Folge als PDF exportiert werden können

Zudem wäre es möglich, die App um Publish- oder Editier-Funktionen zu ergänzen:

  • User können für einen gewissen Zeitraum eine Abwesenheitsnotiz aktivieren, damit diese in ihrem Web-Profil angezeigt wird
  • Redakteure können globale Website-Status-Meldungen setzen
  • Autoren erhalten Push-Notifications von Beitrags-Kommentare und können darauf so schnell wie möglich reagieren
  • Der Küchenchef kann am Sonntag Abend von zu Hause aus den Wochen-Menüplan anlegen – Mitarbeiter:innen werden darüber im Team-Chat informiert
  • Das Sales-Team kann den Status von Webshop-Bestellungen ändern

Der Vorteil einer Companion-App ist, dass Enduser keinerlei CMS-Kenntnisse benötigen, weil nur ausgewählte Features in einer eigenen Produktivumgebung verfügbar gemacht werden – theoretisch sogar abhängig von den jeweiligen Userberechtigungen.

Je nach Anforderung und Budget gibt es mehrere Möglichkeiten, Softwareanwendungen mit WordPress-Anbindung entwickeln zu lassen oder mit technischem Know-How und etwas Geduld sogar selbst einzurichten.

Native Apps

Die Programmierung nativer Apps ist die Königsdisziplin. In der Regel ist der Aufwand etwas größer und benötigt mehr Ressourcen und Budget. Dasselbe gilt für die Maintenance, die man im Entscheidungsprozess unbedingt einplanen sollte. Nicht gewartete Software ist nämlich ein No-Go.

Mobile

Desktop

  • macOS: Swift, Objective‑C und andere
  • Windows: C# (oder C/C++ und andere)
  • Linux: C/C++ (oder Python, Rust und andere)

Ich stehe für die Entwicklung nativer Apps nicht zur Verfügung und überlasse dieses Feld gerne den darauf spezialisierten Profis.

Cross-platform Apps

Plattformübergreifende Apps werden, wie der Name schon sagt, mit nur einer Code-Basis programmiert und in Folge auf mehrere Plattformen ausgerollt.
Das macht die Entwicklung und die Wartung in der Regel weniger aufwendig und entsprechend günstiger.

Ich habe bereits Erfahrung mit der technischen Umsetzung von solchen Apps und bin persönlich ein Fan von React in Kombination mit PWA Technologie oder Tauri.

WordPress

Wie bereits erwähnt, bekommt man mit den offiziellen WordPress-Apps eine niederschwellige Möglichkeit, einfache Administrationstätigkeiten geräte- und ortsunabhängig auszuführen.

Diese Apps sind zwar praktisch weil diese auf mehreren Endgerät eingerichtet werden können, bieten aber sonst keinen entscheidenden Vorteil, weil Funktionsumfang und Bedienung beschränkt sind und denen im Browser ähneln.

Nextcloud

Viele Organisationen und Unternehmen, denen digitale Souveränität wichtig ist, setzen auf Nextcloud. Entsprechend würde es auf der Hand liegen, WordPress mit Nextcloud zu verbinden und so das Beste aus beiden Welten zu nutzen:

  • Nextcloud Talk: Integration eines Website-Monitoring o.ä., um bei wichtigen Ereignissen sofort benachrichtigt zu werden
  • Nextcloud Kalender: Die jeweilige Verfügbarkeit von Teammitgliedern anzeigen oder Meetings über die Website buchen lassen
  • Nextcloud Files: Sichere Datei-Uploads direkt über die Website
  • Single-Sign-on (SSO): 2 Systeme, 1 User-Account – Nextcloud-User können sich auf einer WordPress Website einloggen

Neben der Web-Version bietet natürlich auch Nextcloud offizielle Apps für alle gängigen Betriebssysteme an. Dedizierte Apps für bestimmte Anwendungsbereiche können zwar keine Individualsoftware ersetzen, reichen in manchen Fälle jedoch aus. Vorhandene WP-API-Endpoints oder WordPress-Hooks lassen sich ganz einfach wiederverwenden.

Third-Party-Tools

Für erweiterte Funktionen wäre es auch möglich, Automatisierungs-Tools einzusetzen, die zum Teil im Betriebssystem integriert sind oder kostenlos heruntergeladen werden können. Hier muss einmalig ein Ablauf von verschiedenen Aufgaben konfiguriert werden, der in Folge am Endgerät, wie von Zauberhand, abgearbeitet wird. Ideal für repetitive Tasks.

Ich kann allen Apple-Nutzern die offizielle Kurzbefehle-App weiterempfehlen. Die Möglichkeiten sind nahezu unbegrenzt und die Bedienung ist intuitiv. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase und etwas Herumprobieren macht man schnell gute Fortschritte:

Neben der Automatisierung des Endgeräts ist es auch möglich, komplexe Workflows einzurichten oder externe APIs, wie die WP-API, anzusteuern.

Es gibt im Internet zahlreiche Anbieter, die Kurzbefehle kostenlos zur Verfügung stellen. Und im kommenden major Release von iOS (v27) und macOS (v27) wird es sogar möglich sein, Kurzbefehle KI-gestützt per Prompt erstellen zu lassen.

Für Developer nicht unerwähnt lassen möchte ich noch diverse JS-Libraries, die in erster Linie End-to-End-Tests ermöglichen, aber auch für beliebige Browser-Automatisierungen oder Web-Scraping verwendet werden können. Die Installation und das Setup sind aber nicht wirklich trivial und bestimmt nichts für jedermann. Wer jedoch bereit ist die Extrameile zu gehen, kann damit individuelle Workflows einrichten, und manuelle Arbeit reduzieren:

Fazit

Eine moderne Website ist ein digitales Werkzeug, das Prozesse vereinfacht, Kund:innen zur Selbsthilfe animiert und dem Team im Alltag Zeit sparen hilft. Dadurch verbessert sich im Allgemeinen die Servicequalität.

Content-Management-Systeme sind zwar äußerst leistungsstark, können aber mit der Zeit unübersichtlich werden, was auf einige Endnutzer abschreckend wirken kann. Ob hier eine zusätzliche Companion-App Abhilfe schaffen kann, ist immer auch eine Glaubensfrage. Wenn das Ziel ist, die Komplexität bei bestimmten Anwendungsbereichen zu reduzieren und so weit wie möglich zu automatisieren, um die Fehlerquote so gering wie möglich zu halten und noch dazu wertvolle Zeit zu sparen, kann eine maßgeschneiderte Lösung durchaus sinnvoll sein.

Bevor man mit der technischen Konzeption von Dashboards oder Workflows beginnt, müssen Ziele und Nicht-Ziele definiert werden. Außerdem bekommen Usability und Design ein noch stärkeres Gewicht weil Änderungen an der Codebasis von Apps oder Third-Party-Tools nicht so schnell und unbürokratisch umsetzbar sind, wie bei Web-Projekten.

Der richtige Ansatz ist, mit einer überschaubaren Basisversion zu starten und diese in Iterationen zu erweitern, bis alle gewünschten Features implementiert sind.

Avatar-Foto Josef

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